mobile menu

BDSM

Ist der Überbegriff für Sexualpraktiken, bei denen die Beteiligten Lust oder Befriedigung durch Dominanz und Unterwerfung, Fesselungs- und Erziehungsspiele oder durch Bereiten oder Empfangen von Schmerzen empfinden. Die Abkürzung ergibt sich aus den englischen Begriffen Bondage & Discipline (Fesseln & Disziplin), Dominance & Submission (Dominanz und Unterwerfung) sowie Sadism & Masochism (Sadismus und Masochismus). BDSM beinhaltet somit alle sexuellen Verhaltensweisen, die in irgendeiner Weise mit den besagten Begriffen zu tun haben. Dabei ist der Begriff BDSM nur als Versuch der Kategorisierung in Form eines Modells zu verstehen. Es gibt keine genaue wissenschaftliche Definition dafür, wo BDSM anfängt und wo es aufhört. Deshalb können die individuellen Vorlieben der Personen sowohl alle drei Bereiche als auch nur einen Teilaspekt betreffen. Alle Varianten haben allerdings gemeinsam, dass von den Beteiligten freiwillig ihre Gleichberechtigung aufgegeben wird, um entweder als aktive Person (Top) Macht auszuüben und / oder Schmerzen zu bereiten oder als passive Person (Bottom) sich zu unterwerfen und / oder Schmerzen zu ertragen. Im Idealfall erzielen beide Beteiligten daraus einen Lustgewinn, der bis zur sexuellen Befriedigung reichen kann, aber nicht muss. 

Die Praktiken sind so vielfältig, wie die Personen, die sie betreiben. Das Ausleben sexueller Identität und Vorlieben erfolgt mithilfe von Rollenspielen, bei denen die Beteiligten vorher Absprachen über die jeweilige Rolle und besonders über Grenzen und Tabus treffen. Niemand wird zu etwas gezwungen, das er nicht möchte. Allerdings können auch sogenannte nicht-einvernehmliche Elemente Teil des Rollenspiels sein, indem Strafen verhängt und Disziplinverstöße geahndet werden. Auch Äußerungen wie Betteln oder Flehen können deshalb zu einem Rollenspiel dazugehören und führen nicht zum Abbruch. Für diesen wurde vorher ein Sicherheitswort verabredet, mit dem die Session sofort und unmissverständlich beendet werden kann. Die über allem stehende Sicherheit der Beteiligten ist ein maßgeblicher Teil dieser Sexualpraktik. Ihre Grundsätze wurden in der Szene mit den Begriffen safe, sane & consensual (SSC), also sicher, geistig gesund und einvernehmlich definiert. 

Die Verbreitung von BDSM-Praktiken zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und ist auch geografisch kaum begrenzt. Fachautoren schätzen den Anteil der Menschen, die regelmäßig Sexualpraktiken dieser Art ausüben auf bis zu 25 Prozent. Der Anteil der Menschen, die dies nur in der Fantasie erwägen, ist sogar noch höher. Dr. Andreas Wismeijer, Psychologe an der Tilburg-Universität, kam in einer repräsentativen Studie zu dem Schluss, dass BDSMler „mental stabiler, gesünder und in ihrer Beziehung glücklicher sind.“ Die Psychologie geht heute davon aus, dass eventuelle Probleme nicht in erster Linie aus der Neigung an sich, sondern primär aus Reaktion der Umwelt auf die Neigung resultieren. Ein Zusammenhang mit psychologischen Traumen und Problemen mit Sexualität wird von der Fachliteratur überwiegend verneint.