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Natursekt

Urophilie bezeichnet die sexuelle Vorliebe für Urin. Da der Begriff Urin im Sinne von Fäkalie negativ belastet ist und somit nicht den eindeutigen Lustgewinn zum Ausdruck bringt, ziehen es urophil veranlagte Menschen vor, den Begriff Natursekt als Synonym für Urin zu verwenden. Bei dieser Vorliebe wird Urin, dessen Geruch, der Vorgang des Urinierens oder die Aufnahme von Urin als erotisch und sexuell stimulierend empfunden. Urin als sexueller Fetisch ist weiter verbreitet, als man gemeinhin glaubt. Die Psychologie erklärte das Entstehen dieser Veranlagung schon vor hundert Jahren mit einer mehr oder weniger zufällig stattfindenden Verbindung zwischen einem ersten sexuellen Glücksgefühl und dem Vorgang des Urinierens, welche das sexuelle Erleben im weiteren Verlauf des Lebens nachhaltig bestimmt. In der Szene sind sexuelle Spiele mit Natursekt (abgekürzt NS) weit verbreitet. Als weitere Bezeichnungen rund um dieses Thema haben sich die Begriffe NS-Spiele, Watersports, Golden Shower oder Wet-Games etabliert.

Allein für sich genommen gehört das Einbeziehen von Urin in sexuelle Praktiken nicht zum Bereich BDSM. Allerdings können urosadistische oder uromasochistische Elemente Teil eines BDSM-Rollenspiels sein, die die Überlegenheit und Kontrolle des dominanten Partners (Top) gegenüber dem kontrollierten Partner (Bottom) demonstrieren. Dabei kann dem Urin das Mittel der Demütigung oder Bestrafung zukommen. Ist der Partner urophil veranlagt, ist Urin auch als Mittel der Belohnung denkbar.

In der Praxis bergen Praktiken mit Natursekt keine großen gesundheitlichen Risiken in sich. Es sollte jedoch die reale Möglichkeit der Übertragung von Krankheiten durch bakterielle Infektionen der Harnröhre in Betracht gezogen werden sowie allergische Reaktionen auf die im Urin enthaltenen Chemikalien. Die Aufnahme von kleinen Mengen ist nicht sehr risikobelastet. Allerdings können größere Mengen Urin im Körper durch das enthaltene Natriumchlorid (Salz) ähnliche Auswirkungen wie das Trinken von Meerwasser zur Folge haben.

In der Kunst ist die Darstellung von urinierenden Personen schon lange als Sujet bekannt. In der Malerei sind hier als Beispiele Picassos Bild "La Pisseuse" oder Rembrandts Zeichnung einer urinierenden Bauersfrau zu nennen. In der Plastik sind in Brüssel das Männeken Pis und sein weibliches Pendant Janneken Pis zu bewundern. In der Musik sang Frank Zappa über Bobby Brown und seiner Vorliebe für Golden Showers.

In der Szene können sich Liebhaber von NS-Spielen durch den Hanky-Code über ihre sexuellen Vorlieben verständigen. Mit dem Hanky-Code können Eingeweihte unaufdringlich durch das Tragen eines gelben Taschentuchs ihre Vorliebe für Natursekt demonstrieren. Dabei gibt die Hosentasche, in der es getragen wird, Aufschluss darüber, ob die Person lieber den aktiven Part übernimmt und „Natursekt spendet“ (linke Gesäßtasche) oder es vorzieht, passiv Natursekt zu empfangen (rechter Gesäßtasche).